Hotel Eggerhof

Die älteste Einsiedelei Europas

Einsiedelei Saalfelden1

In Saalfelden pilgerten schon seit dem 16. Jh. Menschen zur Felsenhöhle oberhalb des Schlosses Lichtenberg, wo sie das Bildnis des hl. Georg, Schutzpatron der Tiere, verehrten.

Erstmals erhielt 1664 Thomas Pichler, ein Bauernsohn aus Embach, die Bewilligung des erzbischöflichen Konsortiums in Salzburg, sich oberhalb des Schlosses Lichtenberg als Einsiedler niederlassen zu dürfen. Mit Hilfe seiner Glaubensbrüder errichtete er am Palfen eine kleine Klause und baute die Höhle, in der das Bildnis des Heiligen Georg war, zu einer Kapelle aus. Ab 1677 durften auch Heiligen Messen gefeiert werden.

Aussicht Einsidelei

35 Jahre lebte Pichler in der Klause. Viele Eremiten folgten nach, deren Existenz von den Menschen rundum gesichert wurde, weil der Klausner auch die Aufgabe des “Feuerwächters” übertragen bekommen hatte. Wenn er in dem weiten Gebiet, das sich unterhalb von ihm erstreckte, Flammen entdeckte, sollte er mit der kleinen Klausenglocke “Sturm läuten”. Dafür durfte der Eremit im Frühjahr und Herbst bei den Bauern sammeln gehen und erhielt Vorräte an Getreide, Mehl, Obst, Erdäpfeln, Schmalz und anderen Lebensmitteln.

Obwohl das Eremitentum zu Beginn des 19. Jahrhunderts verboten wurde, riss die Tradition – im Unterschied zu den meisten übrigen Einsiedeleien – in Saalfelden nicht ab. Noch heute finden sich nach dem Abgang eines Einsiedlers immer wieder genügend Bewerber, die vom Bürgermeister angelobt und vom Saalfeldner Pfarrer installiert werden. Sie “arbeiten” ohne Gehalt, weder die Gemeinde noch die Kirche entlohnt sie. Der Einsiedler muss in der Lage sein, seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten.

Heute ist die Einsiedelei wohl nicht mehr ausschließlich eine christliche Andachtsstätte. Sie ist sowohl für die Bevölkerung als auch für Touristen ein beliebtes Ausflugsziel. Auch wir vom Eggerhof machen unsere Familienwanderung gerne zur Einsiedelei! Von den Eremiten der Neuzeit werden in den Sommermonaten auch Getränke ausgeschenkt, um das doch sehr bescheidene Leben entsprechend fristen zu können.

Raimund von der Thannen – einer der letzten Einsiedler Europas

bruder_raimund

Derzeit wird die Einsiedelei von Raimund von der Thannen – als einem der letzten Einsiedler Europas – während der Sommermonate betreut.

Bruder Raimund von der Thannen schreibt:

Eine Mixtur aus Krankheit, eigenem Versagen und Schuld, aus früheren Fehlentwicklungen und widrigen Umständen hat mich an jenen Abgrund gebracht, an dem man sagt: “Dieses Leben kann ich nicht mehr leben” Ob Gott es so wollen hat, will und kann ich nicht beurteilen, aber zumindest hat er es zugelassen.

Drei Monate nach einer Krebsoperation habe ich den Jakobsweg unter die Schuhe genommen und bin von Vorarlberg nach Lourdes gewandert – zur Muttergottes.

Für mich wurde das Jahr 2000 zur radikalen Lebenswende. Meine Kinder waren erwachsen und meine Frau und ich kamen zum Entschluss, dass eine Trennung unumgänglich und für beide Teile die richtige Lösung ist. Nun erwachte in mir wieder die Sehnsucht nach einem klösterlichen Leben.

Seit Anfang 2003 lebe ich im Benediktinerstift St. Lambrecht in der Steiermark und bin als Regularoblate (früher: Laienbruder) in den Konvent eingetreten. Nachdem die Einsiedler in der benediktinischen Tradition oft von Bedeutung waren, war Abt Otto mit meinem Plan einverstanden, einen Teil des Jahres in der Einsiedelei auf dem Palfen zu leben.

Wenn ich nun als Benediktinermönch und als Saalfeldner Eremit lebe, so kann ich Gott nur danken, dass er mein Leben “zugelassen” hat, dass er mich gelehrt hat, seiner Führung zu vertrauen. Unser Leben ist eine durchgehende Pilgerreise auf das große, letzte Ziel zu. Es gibt Buß-, Bitt- und Dankwallfahrten. Nehmen wir alle drei Formen in unseren Alltag, ganz besonders letztere. Und vergessen wir nicht, dass zu jeder Pilgerreise das Innehalten gehört, das Ausruhen und das sich immer wieder neu Orientieren.

Gott möge immer unser Begleiter sein.

Quellen der Bilder:
1. http://salzburg.orf.at/radio/stories/2509985/
2. http://www.drbogner.at
3. http://www.pfarre-saalfelden.at/geschichte/einsiedelei/